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Eröffnung Synagogenprojekt Stommeln 2026

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Dienstag 08.09.2026 19:00 Uhr


Black and white (Father), 2020, Keramik, glasiert© Stefan Hofstettler, VG Bildkunst
Die Düsseldorfer Künstlerin Paloma Varga Weisz setzt mit ihrer Arbeit "Paloma Varga WEISZ" das Kunstprojekt Synagoge Stommeln fort.

Paloma Varga WEISZ

Die Künstlerin Paloma Varga Weisz setzt mit ihrer Arbeit "Paloma Varga WEISZ" die Reihe der Synagogenprojekte in Stommeln fort.

Das von der Stadt Pulheim initiierte Synagogenprojekt in Pulheim-Stommeln hat seit 1991 im Verlauf seiner 35-jährigen Ausstellungsgeschichte mit zahlreichen künstlerischen Auseinandersetzungen zu einer Kultur der Erinnerung beigetragen. Zu den beteiligten Künstlerinnen und Künstlern zählen Jannis Kounellis, Richard Serra, Mischa Kuball, Carl Andre, Rebecca Horn, Lawrence Weiner, Rosemarie Trockel, Max Neuhaus, Daniel Buren, Gregor Schneider und Franz Erhard Walther. Die Stadt Pulheim hat in diesem Jahr Paloma Varga Weisz gebeten, das Projekt fortzusetzen.

Das Werk von Paloma Varga Weisz

Im nunmehr fast drei Jahrzehnte umfassenden Werk von Paloma Varga Weisz fließen unterschiedliche Stränge zusammen. Ausgebildet als Bildschnitzerin eignet sie sich eine der ältesten bildhauerischen Techniken an, um Wesen hervorzubringen, die einer anderen Zeit oder einer anderen Wirklichkeit anzugehören scheinen. Doch ihre Figuren erschöpfen sich niemals in ihrer Gestalt. Sie sind Träger von Erinnerung, Echo eines verborgenen Wissens und Verweis auf etwas, das sich dem unmittelbaren Blick entzieht.

Ihre Arbeiten entstehen aus einem Gedächtnis, das weniger erinnert als freilegt. Schicht um Schicht legt sie Bilder, Erfahrungen und Geschichten frei, als grabe sie wie eine Archäologin in den verschütteten Sedimenten unserer Kultur. Vergangenes, Erlebtes und Erdachtes verlieren dabei ihre Grenzen. Aus Geschichte und persönlicher Erinnerung entsteht eine Bildwelt, in der Magie und Wirklichkeit ununterscheidbar werden. Das Rätselhafte ist hier kein Motiv, sondern eine Form der Erkenntnis.

Mit der Arbeit „Paloma Varga WEISZ“, die die Künstlerin für die Synagoge in Stommeln geschaffen hat, kehrt sie zu einer Erfahrung zurück, die ihr Werk seit vielen Jahren begleitet. Es ist eine biografische Erinnerung, zugleich aber auch die Geschichte einer Leerstelle, eines Verschweigens, dessen Wirkung weit über das persönliche Schicksal hinausreicht.

Die Arbeit "Paloma Varga WEISZ" in Stommeln

Für die Stommeler Synagoge hat Paloma Varga Weisz das Atelier ihres Vaters rekonstruiert: einen winzigen Raum im zweiten Stock des Gründerzeithauses seiner Frau in Neustadt an der Weinstraße, hoch oben, dem Alltag entrückt. Hier lebte Feri Varga in seiner eigenen Welt, umgeben von Erinnerungen - hier malte er und schuf seine Werke, Tür an Tür mit dem Kinderzimmer seiner Tochter. Ausführlich erzählte er Paloma von seinem Leben in Ungarn und später in Paris, von wo er 1940 nach Cagnes-sur-Mer flüchtete. Bereits in Paris legte er seine jüdische Herkunft ab und nannte sich fortan nur noch Varga.

1961 folgte er seiner Frau Leonore von Cagnes-sur-Mer nach Neustadt an der Weinstraße. Der Schritt in diese deutsche Provinzstadt bedeutete für ihn einen tiefen Bruch – und als gebürtiger Jude die Rückkehr in ein Land, mit dem er auf traumatische Weise verbunden war. Dieses Schweigen ist zu einem unsichtbaren Erbe geworden. Es hat das Leben und das Werk Paloma Varga Weisz' nachhaltig geprägt.

Im ehemaligen Kultraum der Stommeler Synagoge – einem Ort, der gleichermaßen für jüdisches Leben, Verdrängung und Überleben steht – verdichtet sich diese Auseinandersetzung zu einer räumlichen Erinnerung. Feri Varga ist anwesend, schweigend und unnahbar. Der Besucher bleibt vor der Schwelle stehen. Er kann den Raum nicht betreten, so wie Geschichte sich nur vorstellen, niemals aber noch einmal erfahren lässt. Gerade in dieser Distanz entfaltet die Arbeit ihre eigentliche Kraft: Das Vergangene bleibt unerreichbar und ist doch mit aller Gegenwart wirksam.

Paloma Varga Weisz, geboren 1966 in Mannheim, studierte von 1987 bis 1990 Holzbildhauerei in Garmisch-Partenkirchen und von 1990 bis 1998 an der Staatlichen Kunstakademie Düsseldorf bei Tony Cragg und Gerhard Merz.

Ihre Arbeiten wurden in zahlreichen bedeutenden institutionellen Einzelausstellungen präsentiert, darunter in der Kestner Gesellschaft in Hannover (2024), im Henry Moore Institute in Leeds (2020), im Bonnefantenmuseum in Maastricht (2019), in der Skulpturenhalle Neuss – Thomas Schütte Stiftung (2017), im Castello di Rivoli in Turin (2015), im Salzburger Kunstverein (2015), im Kabinett für Aktuelle Kunst Bremerhaven (2013) sowie im Museum Morsbroich in Leverkusen zusammen mit Rosemarie Trockel.

Darüber hinaus war sie an zahlreichen wichtigen Gruppenausstellungen beteiligt, darunter „Die Bildhauer: Kunstakademie Düsseldorf 1945 – bis heute“ in der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen (2014), „The Human Factor“ in der Hayward Gallery in London (2014), „Exquisite Corpses: Drawing and Disfiguration“ im Museum of Modern Art in New York (2013), die 4. Berlin Biennale (2006), die 51. Esposizione d’Arte der Biennale di Venezia im KW Institute for Contemporary Art in Berlin (2005) sowie die 9. Triennale für Kleinplastik in Fellbach (2004).
Paloma Varga Weisz ist in wichtigen öffentlichen und privaten Sammlungen weltweit vertreten, unter anderem im Museum of Modern Art in New York, im Hammer Museum in Los Angeles, in der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen und im Museum Kunstpalast in Düsseldorf, im Bonnefantenmuseum Maastricht, im Museum Kurhaus Kleve sowie in der Sammlung zeitgenössischer Kunst der Bundesrepublik Deutschland.

Projekt Synagoge Stommeln

Die Synagoge Stommeln aus dem Jahr 1882 gehört zu den wenigen über die Zeit des Nationalsozialismus erhaltenen jüdischen Sakralräume in Deutschland. Seit 1991 haben sich auf Initiative der Stadt Pulheim hin zahlreiche Künstlerinnen und Künstler mit der Synagoge befasst und durch ihre Ausstellungen und Inszenierungen zu einer lebendigen Kultur der Erinnerung beigetragen. Dazu zählten unter anderem Jannis Kounellis, Richard Serra, Mischa Kuball, Carl Andre, Rebecca Horn, Lawrence Weiner, Rosemarie Trockel, Max Neuhaus, Daniel Buren, Gregor Schneider und Franz Erhard Walther. 

Die künstlerische Leitung des Projekts liegt bei der Kulturabteilung der Stadt Pulheim. Ein künstlerischer Beirat begleitet die Arbeit. Ihm gehören an: Prof. Dr. Ursula Frohne (Universität Münster), Luzia Kilias (Initiative Zeitgenössische Kunst und Musik Pulheim e. V. (IzKuMP), Mischa Kuball (Beiratsvorsitzender) Dr. Karin Lingl (Stiftung Kunstfonds), Mischa Kuball (Vorsitz) und Christina Wimmer (Der bewohnte Garten – Stiftung zur Förderung zeitgenössischer Kunst).


Paloma Varga Weisz mit ihrem Vater Feri Varga, ca. 1972© Paloma Varga Weisz
Feri Varga, Ohne Titel 1941© Foto Stefan Hofstettler, VG-Bildkunst




 

Es ist unbekannt, ob die Veranstaltung barrierefrei zugänglich ist.

weitere Infos unter:

Eröffnung Synagogenprojekt Stommeln 2026 - Homepage
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